Netzbewertung/Simulationen 49 Tabelle 6: Ergebnisse der quasistationären Simulation anhand der exemplarischen anonymisierten Testnetze Maximale Spannung [p. u.] Minimale Spannung A [p. u.] Minimale Spannung B [p. u.] Minimale Spannung C [p. u.] Minimale Spannung [p. u.] Mittlere Spannung [p. u.] Spannungsänderung [p. u./min] Maximale Spannungsasymmetrie [%] Mittlere Spannungsasymmetrie [%] Maximale Leistungsauslastung [%] Mittlere Leistungsauslastung [%] Maximale Transformatorauslastung A [%] Maximale Transformatorauslastung B [%] Maximale Transformatorauslastung C [%] Mittlere Transformatorauslastung [%] 2023 1,00 0,95 0,95 0,95 0,95 0,99 0,01 0,52 0,09 73,59 5,95 55,39 56,19 55,03 33,45 Netz 1 2035 1,01 0,91 0,92 0,94 0,91 0,98 0,04 0,94 0,11 73,61 6,87 63,66 61,82 61,81 34,79 Diff. [%] 0,97 % –4,25 % –3,09 % –0,62 % –3,83 % –0,18 % 469,27 % 82,96 % 33,99 % 0,03 % 15,38 % 14,93 % 10,02 % 12,31 % 4,00 % 2023 1,01 0,95 0,97 0,97 0,95 0,99 0,01 0,90 0,13 43,93 2,93 53,94 45,77 43,02 24,58 Netz 2 2035 1,02 0,92 0,92 0,95 0,92 0,99 0,04 1,41 0,20 88,47 4,88 113,34 107,19 97,37 38,59 Diff. [%] 1,05 % –2,99 % –5,56 % –1,71 % –3,60 % –0,38 % 221,50 % 56,66 % 53,79 % 101,39 % 66,61 % 110,12 % 134,19 % 126,34 % 56,97 % Abbildung 16 stellt die betrachtete Woche noch einmal als Matrix mit Farbskala dar. Die Farbtemperatur gibt dabei Aus- kunft über die Höhe der Spannungsabsenkung, während x-Achse und y-Achse jeweils Wochentag und Uhrzeit abbilden. Vergleicht man die Jahre 2023 und 2035, werden die neuen Lasten schnell in den Morgen- und Abendstunden sichtbar. Dabei verschlechtert sich die Spannungssituation vor allem punktuell. Deutliche Spannungsabsenkungen treten sowohl unter der Woche als auch am Wochenende auf. Folgende Schlussfolgerungen lassen sich aus der quasistationä- ren Simulation ziehen: Als Erstes lässt sich ein steigendes und stärker schwankendes Lastaufkommen in den betrachteten Nie- derspannungsnetzen verzeichnen, was die Spannungshaltung direkt beeinflusst. Darüber hinaus zeigen sich Tendenzen hin zu einer zunehmend asymmetrischen Netzspannung, die durch nicht gleichmäßig verteilte einphasige Lasten hervorgerufen wird. Aber es zeigen sich auch Potenziale für Gegenmaßnah- men: Darunter fallen der klassische Netzausbau, die Installation von regelbaren Ortsnetzstationen, die Steuerung von flexib- len Lasten und weitere Maßnahmen. Für eine abschließende Bewertung fehlen weiterführende Analysen, etwa die flächen- deckende Untersuchung von realen Netzdaten, ein erweiterter Betrachtungszeitraum zur Untersuchung saisonaler Effekte sowie die Betrachtung verschiedener Gegenmaßnahmen. 3.2.2.5 Schnittstelle zur dynamischen Simulation Quasistationäre Simulationen bilden einen oder eine Abfolge eingeschwungener Zustände ab. Das System wird dabei auf Basis einer Grundfrequenz, 50 Hz im deutschen Energieversor- gungssystem, abgebildet. Um Power-Quality-Phänomene wie Oberschwingungen oder kurzzeitige Dips und Swells darzustel- len, sind Zeitbereichsdaten oder Betrachtungen im Frequenzbe- reich notwendig. Während sich Frequenzbereichsbetrachtungen signifikant schneller berechnen lassen, können Übergangseffek- te und direkte Rückwirkungen von Regelungsimplementierun- gen auf diese Zustände nur mit dynamischen Zeitbereichssimu- lationen (EMT- oder DP-Simulationen) abgebildet werden. Weil sie so komplex sind und so viel Rechenzeit benötigen, schließen wir dynamische Simulationen ergänzend an die quasistationären Simulationen an. Um den in der Methodik vorgeschlagenen Zusammenschluss zwischen Leistungsfluss und EMT-Simulationen zu realisie- ren, müssen wir die Schnittstelle definieren. Neben technischen Aspekten geht es dabei vor allem darum, Zeiträume auszu- wählen, die auf einen kritischen Zustand, eine Auswirkung oder das Auftreten von Spannungsqualitätsproblemen im Allgemeinen hinweisen. Diese Auswahl kann auf Basis von Kriterien erfolgen, die wir nachstehend beschreiben.