Elke Mugova macht Grubenwasser zur Wärmequelle

Unter unseren Füßen liegen ungenutzte Energiespeicher: ehemalige Bergwerke mit ihrem Grubenwasser. Sie können Kommunen, Stadtwerken und Industrie helfen, ihre Wärmeversorgung zukunftsfest und klimafreundlich zu gestalten – vorausgesetzt, die geologischen Bedingungen und die vorhandene Bergbauinfrastruktur werden verstanden. Genau daran arbeitet Elke Mugova am Fraunhofer IEG. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Bergbaufolgenutzung bringt die Geowissenschaftlerin ihre internationale Expertise zur Grubenwassergeothermie in das EU-Projekt PUSH-IT ein. Dort entsteht unter dem Technischen Zentrum der Ruhr-Universität Bochum ein Untergrundwärmespeicher in einem gefluteten ehamligen Kohlebergwerk.

»Bergbau im großen und weiten Sinne ist meine Berufung«, sagt Elke . Aufgewachsen im Erzgebirge, verbrachte sie bereits als Kind viele Wochenenden in Besucherbergwerken. Gleichzeitig wuchs ihr Interesse an Natur- und Umweltthemen. Die Verbindung aus Technik, Geowissenschaften und Ökologie prägt ihren beruflichen Weg bis heute. Nach dem Studium der Geoökologie und Geowissenschaften an der TU Bergakademie Freiberg führte ein Forschungsaufenthalt nach Südafrika – und damit zu dem Thema, das ihre Arbeit bis heute bestimmt: Grubenwasser. »Grubenwasser ist für mich nicht einfach Wasser, das kostspielig aufbereitet werden muss. Es ist eine Ressource, die wir für die Wärmewende nutzen können.«

Die Frage, wie sich ehemalige Bergwerke nachnutzen lassen, steht auch im Mittelpunkt ihrer aktuellen Promotion zum Thema Hydrodynamik in gefluteten Untertagebergwerken. Dabei untersucht sie Dichteschichtungen und Strömungsprozesse und deren Auswirkungen auf das Grubenwassermanagement.. Forschung am Forschungszentrum Nachbergbau der TH Georg Agricola, praktische Erfahrungen im Ingenieurbüro und ein mehrjähriger Forschungsaufenthalt in Südafrika haben ihre Expertise kontinuierlich erweitert.

Ihr Wissen bringt sie längst nicht nur in eigene Forschungsprojekte ein. Als Generalsekretärin der International Mine Water Association vernetzt sie Fachleute aus aller Welt und organisiert internationale Konferenzen. Gleichzeitig engagiert sie sich als Mitgründerin von »Women in Mining and Resources Germany« dafür, jungen Frauen den Einstieg in die Bergbaubranche zu erleichtern. »Ich möchte dazu beitragen, dass junge Frauen in unserer Branche Vorbilder und Ansprechpartnerinnen finden.«

Der Weg zum Fraunhofer IEG entstand aus einer gemeinsamen Vision: Bergbauinfrastruktur nicht als Altlast, sondern als Ressource der Zukunft zu betrachten. Auf einer internationalen Grubenwasserkonferenz entstand der Kontakt zu ihren heutigen Kolleginnen und Kollegen. Besonders überzeugte sie der Perspektivwechsel beim Thema Grubenwasser, welches häufig in den ehemaligen Bergbaugebieten als »Ewigkeitskosten» abgeschrieben wird: »Man kann auf Grubenwasser schauen und nur das »dreckige Wasser« sehen, das man reinigen muss. Oder man sieht eine Ressource, die wir für zukunftsfeste Wärme und Energiespeicherung nutzen können. Diese Perspektive hat mich sofort gepackt.«

Im EU-Projekt PUSH-IT überträgt sie dieses Potenzial nun in die Praxis. Das Projekt erschließt über mehrere Bohrungen eine ehemalige Zeche im Untergrund Bochums. Das Grubenwasser soll für dem Technischen Zentrum der Ruhr Universität als Kühlung dienen und kann im Winter für das lokale Wärmenetz eine Wärmequelle sein. Elkes Aufgabenbereich reicht von wissenschaftlicher Arbeit bis zum Wissenstransfer: Sie entwickelt Formate für Öffentlichkeit, Wissenschaft und Industrie, organisiert Bohrplatzführungen und vermittelt auf Fachveranstaltungen, welchen Beitrag Grubenwassergeothermie zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung leisten kann. Gleichzeitig bleibt sie nah an der praktischen Umsetzung. »Ich stehe genauso mit Helm und Sicherheitsschuhen an der Bohranlage, ziehe Kabel, führe geophysikalische Messungen an der Bohrung druch und bin bei Minusgraden mit den Kollegen draußen. Ich möchte nur Dinge erklären, die ich selbst erlebt habe.«

Gemeinsam mit ihrer Familie lebt Elke in Bochum. Flexible Arbeitszeiten und das Mit-Kind-Büro am Fraunhofer IEG ermöglichen es ihr, Forschung und Familienleben miteinander zu verbinden. Ausgleich findet sie auf dem Fahrradoder bei Konzerten. Früher spielte sie Gitarre und Bass in einer Band, nach Abschluss ihrer Promotion möchte sie wieder auf der Bühne stehen. »Ich brauche neben Beruf und Familie auch etwas, das nur mir gehört.« Beruflich verfolgt sie ein ebenso klares Ziel: Verantwortung übernehmen, innovative Ideen zur Grubenwassergeothermie in die Praxis bringen und die nachhaltige Nachnutzung ehemaliger Bergwerke aktiv mitgestalten.